Was bringt die Steuerreform 2015/2016 für Freelancer

Jetzt ein Paar ernsthafte Fakten…

Die Steuerreform 2015/2016 enthält eine Vielzahl von Neuregelungen. Der folgende Beitrag greift einige Änderungen heraus, die insbesondere auch für Freelancer von Bedeutung sind.

  1. Einkommensteuertarif
  2. Einer der Kernpunkte der Steuerreform 2015/2016 ist die Neugestaltung des Einkommensteuertarifs. Anstatt der bisher drei Steuerstufen (36,5%, 43,21% und 50%) gibt es zukünftig sechs Steuerstufen.

    Dies führt zu einer Abflachung der Steuerprogression was vor allem im unteren und mittleren Einkommensbereich zu einer Einkommensteuerentlastung führt. Dadurch profitieren insbesondere auch Freelancer und freie Mitarbeiter von der Steuerreform.

    Der neue Steuertarif stellt sich wie folgt dar:

    Tarifstufe
    Über bis Steuersatz
    € 0,00 € 11.000,00 0%
    € 11.000,00 € 18.000,00 25%
    €,18.000,00 € 31.000,00 35%
    € 31.000,00 € 60.000,00 42%
    € 60.000,00 € 90.000,00 48%
    € 90.000,00 € 1.000.000,00 50%
    € 1.000.000,00 55% (befristet)

    Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede in der Steuerbelastung bei verschiedenen Einkommenshöhen.

    steuerpflichtiges Einkommensteuerbelastung Steuerersparnis Steuerersparnis
    Einkommen 2015 2016 in € in %
    € 10.000 € 0 € 0 € 0
    € 20.000 € 3.285 € 2.450 € 835 25,42%
    € 30.000 € 7.271 € 5.950 € 1.321 18,16%
    € 40.000 € 11.592 € 10.080 € 1.512 13,04%
    € 50.000 € 15.914 € 14.280 € 1.634 10,27%
    € 60.000 € 20.235 € 18.480 € 1.755 8,67%
    € 70.000 € 25.235 € 23.280 € 1.955 7,75%
    € 80.000 € 30.235 € 28.080 € 2.155 7,13%
    € 90.000 € 35.235 € 32.880 € 2.355 6,68%
    € 100.000 € 40.235 € 37.880 € 2.355 5,85%
    € 150.000 € 65.235 € 62.880 € 2.355 3,61%
    € 1.500.000 € 740.235 € 762.880 -€ 22.645 -3,06%

    Höhere Einkommen profitieren durch die Anhebung des Spitzensteuersatzes von 60.000 € auf 90.000 €. Für Einkommensanteile über 1 Million € pro Jahr soll in Zukunft ein befristeter Steuersatz von 55% zu entrichten sein.

  3. Entlastung von Familien
  4. Steuerpflichtige mit Kindern profitieren durch die Anhebung des Kinderfreibetrages von derzeit € 220 auf € 440. Bei Aufsplittung unter den Eltern wird der Kinderfreibetrag sogar auf € 300 pro Kind und Elternteil erhöht.

    Der Kinderfreibetrag wirkt sich in Höhe des jeweils zur Anwendung kommenden Grenzsteuersatzes aus. Bei Einkünften (Einnahmen abzüglich Ausgaben) in Höhe von zB € 35.000 und Geltendmachung eines Kinderfreibetrages von € 440 pro Kind zahlt man ab 2016 € 185 weniger Steuer pro Kind (2015 beträgt die Steuerersparnis bei diesen Einkünften max € 95 pro Kind).

  5. Verbesserte Verlustverwertung
  6. Sollten einmal Verluste erzielt werden, so ist es ab 2016 auch für Einnahmen-Ausgaben Rechner möglich, diese zeitlich unbeschränkt vorzutragen. Bislang konnten nur die Verluste der letzten drei Jahre vorgetragen und von einem Gewinn abgezogen werden. Auf älteren Verluste ist man quasi „sitzen geblieben“. sein, die noch nicht mit späteren Gewinnen verrechnet werden konnten,

  7. Vollständige Überrechnung der Vorsteuer bei Istbesteuerung
  8. Aus umsatzsteuerlicher Sicht kommt es insofern zu einer Erleichterung, als (umsatzsteuerpflichtige) Unternehmern, die nach vereinnahmten Entgelten versteuern, (das sind jene bei denen die Leistung der Zahlung Voraussetzung für den Vorsteuerabzug ist) die Vorsteuer für bezogene Vorleistungen auf den Lieferanten oder Leistungserbringer überrechnet werden kann. Das bedeutet vor allem bei größeren Rechnungen eine Verringerung der Liquiditätsbelastung.

    Beispiel:

    Ein Unternehmer der nach vereinnahmten Entgelten versteuert erhält eine Lieferung samt Rechnung. Der Preis beträgt € 1.200,00 brutto (€ 1.000,00 zuzüglich € 200 Umsatzsteuer). Er überweist dem Lieferanten € 1.000,00 und stellt beim Finanzamt einen Antrag auf Überrechnung der € 200 Umsatzsteuer auf den Lieferanten.

  9. Registrierkassenpflicht

Wenn jemand als Freelancer Bargeschäfte tätigt, dann ist er ab 2016 unter folgenden Voraussetzungen verpflichtet eine Registrierkasse zu verwenden:

Die Umsätze aus der betrieblichen Tätigkeit übersteigen 15.000 € pro Jahr und die Barumsätze betragen mehr als € 7.500,00 pro Jahr.

In diesem Fall müssen alle Bareinnahmen zum Zwecke der Losermittlung mittels elektronischer Registrierkasse oder Kassensystem einzeln erfasst werden.

Als Barumsätze sind in diesem Zusammenhang nicht nur Umsätze zu verstehen, bei denen die Gegenleistung durch Barzahlung erfolgt, sondern auch Umsätze mit Bankomat- oder Kreditkarte, Barschecks, Bons, Geschenkmünzen oder ähnlichem.

Die hier geposteten Informationen sind in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin, Fr. MMag. Anita Himmelsberger erstellt. Näheres unter: http://www.himmelsberger.at“.

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